Trainingszentrale
Die Trainingszentrale an der Rennbahn Dresden-Seidnitz
Trainingsbahnen, Boxen und Tagesablauf: wie ein Trainingsstandort für Galopper arbeitet.
Eine Rennbahn ist ein Veranstaltungsort, eine Trainingszentrale ein Arbeitsplatz. In Dresden-Seidnitz liegen beide seit 1891 nebeneinander: Gleichzeitig mit dem Bau der Rennbahn entstand eine Trainieranstalt mit Stallungen, einer eigenen Trainierbahn, Koppeln und Wohnungen für das Personal. Diese Verbindung ist der Grund, weshalb in Dresden nicht nur gelaufen, sondern auch vorbereitet wird — und weshalb einige der Pferde, die die Bahnrekorde halten, wenige hundert Meter von der Ziellinie entfernt trainiert wurden.
Wie die Anlage gewachsen ist
Der Ausbau verlief in Stufen, die sich am Zulauf der Besitzer ablesen lassen. Schon 1892, im Jahr nach der Eröffnung, betreuten die Trainer Kiss und Struve auf den Seidnitzer Fluren dreißig Rennpferde für zwölf Besitzer. Ein Jahr später wurde eine neuerbaute Trainieranstalt mit achtzehn Boxen eröffnet, samt Wohnungen für Trainer und Personal. 1912 folgte ein Neubau mit 72 Boxen — eine Vervierfachung innerhalb von zwei Jahrzehnten.
- Anlage entstanden
- 1891
- Boxen 1893
- 18
- Boxen 1912
- 72
- Kapazität seit 1954
- 120
- Sand-Trainierbahn
- 2.160 m
1954 wurde ein weiteres Stallgebäude mit zwanzig Boxen eingeweiht; damit erreichte die Anlage eine nominelle Kapazität für 120 Pferde, die sie seither behält. „Nominell“ heißt: es ist die bauliche Zahl, nicht die Belegung. Wie viele Pferde tatsächlich in Seidnitz stehen, hängt an den Besitzern und wechselt von Saison zu Saison.
Zwei Modernisierungen prägen den heutigen Zustand. 1996 begann die Erneuerung der 1912 errichteten Stallgebäude, die über Jahrzehnte kaum verändert worden waren. 1999 wurde die komplett erneuerte Sand-Trainierbahn über 2.160 Meter für den Trainingsbetrieb übergeben. Eine Sandbahn hat gegenüber Gras einen praktischen Vorteil: sie ist bei nahezu jedem Wetter nutzbar und verlangt keine Schonzeiten, in denen ein Rasengeläuf sich erholen muss. Für einen Trainingsstandort, der ganzjährig arbeitet, ist das die entscheidende Größe.
Was ein Trainingsbetrieb leistet
Der Tagesablauf eines Rennstalls beginnt früh und folgt einer Ordnung, die sich seit Jahrzehnten kaum geändert hat. Nach der Morgenfütterung geht es in Abteilungen auf die Trainierbahn — zunächst im Schritt und Trab zum Aufwärmen, dann in der eigentlichen Arbeit: ruhige Galopparbeit zum Aufbau der Grundlage, in größeren Abständen schnellere Arbeiten, in denen ein Pferd über eine festgelegte Strecke gefordert wird. Danach folgen Versorgung, Kontrolle der Beine, Hufpflege und die Ruhezeit in der Box.
Was von außen als Reiten erscheint, ist zum größeren Teil Beobachtung. Ein Trainer beurteilt täglich, wie ein Pferd frisst, wie es aus der Box kommt, wie es sich auf den ersten Metern bewegt und wie schnell es nach einer Arbeit wieder zu Atem kommt. Aus diesen Beobachtungen entsteht die Entscheidung, ob ein Pferd in vier Wochen an den Start geht oder eine Pause braucht — eine Entscheidung, die kein Messwert ersetzt.
Besitzertrainer und öffentliche Trainer
Der Berufsstand teilt sich in zwei Formen, die sich rechtlich und wirtschaftlich unterscheiden. Ein Besitzertrainer trainiert ausschließlich Pferde, die ihm selbst gehören oder an denen er beteiligt ist. Ein öffentlicher Trainer, im Rennsport auch Public-Trainer genannt, nimmt Pferde fremder Besitzer in Beritt und rechnet dafür Pensions- und Trainingskosten ab. Beide Formen brauchen eine Lizenz des zuständigen Verbandes; für die öffentliche Lizenz gelten strengere Anforderungen, weil fremdes Eigentum betreut und abgerechnet wird.
Für Besitzer, die kein eigenes Gestüt betreiben, ist der öffentliche Trainer der übliche Weg in den Rennsport. Die Kostenseite besteht aus Pension, Beschlag, Tierarzt, Nenngeldern und Reiterlohn; wer Ausschüttungen aus Rennpreisen erwartet, sollte sie als Möglichkeit betrachten, nicht als Rechnung. Welche Trainer aktuell in Dresden-Seidnitz lizenziert sind und Boxen anbieten, gibt der Dresdener Rennverein 1890 e.V. bekannt — Auskünfte dazu erteilt der Verein selbst.
Trainer, die den Standort geprägt haben
Die Liste der in Dresden tätigen Trainer reicht von den ersten Jahren der Anlage bis in die Gegenwart. Aus der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg sind Hermann Kuttke, Karl Scheffer, Ernst Gröschel, Hans Gröschel, Fritz Borrack und Georg Sowa überliefert — Namen, die mit Pferden wie Quirl, Holstein, Bürgermeister, Carolus, Gidron und Zigeunerheld verbunden sind. Hans Gröschel wurde 1946 Champion und trat 1972 mit 1.056 Siegen in den Ruhestand; sein Carolus gewann 1963 in Hoppegarten Derby und Großen Preis. Fritz Borrack stellte 1979 mit Gidron einen Triple-Crown-Sieger, Georg Sowa 1983 mit Zigeunerheld einen Derbysieger.
Die weitreichendste Verbindung ist eine andere. Heinz Jentzsch arbeitete von 1942 bis 1945 als Trainer in Seidnitz und holte hier mit Osterglocke seinen ersten Trainersieg. Bis 1999 sattelte er in einer mehr als 58-jährigen Laufbahn 4.041 Sieger und wurde 31-mal Champion — der erfolgreichste deutsche Galopptrainer. Dass diese Laufbahn in Dresden begann, gehört zu den Tatsachen, die den Standort über die regionale Bedeutung hinausheben.
Dieses Informationsangebot nennt Trainer im sportlichen und historischen Zusammenhang. Persönliche Daten aktiver Personen — Geburtsdaten, private Rufnummern, Anschriften — werden hier nicht veröffentlicht. Wer einen Trainer erreichen möchte, wendet sich an den Verein.
Was einen Trainingsstandort attraktiv macht
Vier Größen entscheiden, wo ein Besitzer sein Pferd unterstellt. Die Trainingsbedingungen — in Seidnitz eine modernisierte Sandbahn über 2.160 Meter, ganzjährig nutzbar. Die Fachkompetenz der vor Ort lizenzierten Trainer. Die Verfügbarkeit von Boxen, die in rekonstruierten Stallgebäuden gegeben ist, während stark nachgefragte Zentren wie Köln oder Hoppegarten regelmäßig ausgebucht sind. Und das Kostenniveau, das an kleineren Standorten in der Regel unter dem der großen liegt.
Für den Rennbetrieb selbst hat die Nähe von Bahn und Trainingszentrale einen weiteren Effekt: Pferde, die vor Ort stehen, können ohne Transport an den Start gehen. Ein Transport bedeutet Stress, Flüssigkeitsverlust und im Zweifel eine schlechtere Leistung — wer auf der Heimatbahn läuft, spart das ein. Dass in Seidnitz gelaufene Bestzeiten häufig von Trainern aus Dresden verantwortet wurden, ist deshalb kein Zufall, sondern eine Folge dieser räumlichen Nähe.
Die Bestzeiten selbst stehen unter Bahnrekorde, die Bahn mit ihren Maßen unter Pferderennbahn Dresden-Seidnitz, und die Geschichte der Anlage seit 1891 in der Chronik unter Dresdener Rennverein 1890 e.V.
Häufige Fragen
8 Fragen zur Seite
Seit wann gibt es in Dresden-Seidnitz eine Trainingszentrale?
Seit 1891. Gleichzeitig mit dem Bau der Rennbahn entstand eine Trainieranstalt mit Stallungen, eigener Trainierbahn, Koppeln und Personalwohnungen. Bahn und Trainingsbetrieb liegen seither nebeneinander.
Wie viele Boxen hat die Anlage?
Seit 1954 besteht eine nominelle Kapazität für 120 Pferde. Der Ausbau verlief in Stufen: 18 Boxen 1893, 72 Boxen im Neubau von 1912, 20 weitere im Stallgebäude von 1954. Nominell heißt bauliche Zahl — die tatsächliche Belegung hängt an den Besitzern und wechselt je Saison.
Wie lang ist die Trainierbahn und warum ist sie aus Sand?
2.160 Meter, 1999 komplett erneuert übergeben. Sand ist bei nahezu jedem Wetter nutzbar und braucht keine Schonzeiten, in denen sich ein Rasengeläuf erholen muss. Für einen ganzjährig arbeitenden Trainingsstandort ist das die entscheidende Eigenschaft.
Was unterscheidet einen Besitzertrainer von einem öffentlichen Trainer?
Ein Besitzertrainer trainiert ausschließlich Pferde, die ihm selbst gehören oder an denen er beteiligt ist. Ein öffentlicher Trainer, auch Public-Trainer genannt, nimmt Pferde fremder Besitzer in Beritt und rechnet Pensions- und Trainingskosten ab. Beide brauchen eine Verbandslizenz; für die öffentliche gelten strengere Anforderungen, weil fremdes Eigentum betreut und abgerechnet wird.
Wie sieht ein Trainingstag aus?
Nach der Morgenfütterung geht es in Abteilungen auf die Trainierbahn: Schritt und Trab zum Aufwärmen, dann ruhige Galopparbeit für die Grundlage und in größeren Abständen schnellere Arbeiten über festgelegte Strecken. Danach Versorgung, Kontrolle der Beine, Hufpflege und Ruhezeit. Der größere Teil der Arbeit ist Beobachtung, nicht Reiten.
Welche Trainer haben den Standort geprägt?
Überliefert sind unter anderem Hermann Kuttke, Karl Scheffer, Ernst Gröschel, Hans Gröschel, Fritz Borrack und Georg Sowa. Hans Gröschel wurde 1946 Champion und trat 1972 mit 1.056 Siegen ab; Fritz Borrack stellte 1979 mit Gidron einen Triple-Crown-Sieger, Georg Sowa 1983 mit Zigeunerheld einen Derbysieger. Heinz Jentzsch begann hier 1942 und wurde später mit 4.041 Siegern und 31 Titeln der erfolgreichste deutsche Galopptrainer.
Kann man ein Pferd in Dresden-Seidnitz unterstellen?
Boxen in den rekonstruierten Stallgebäuden stehen grundsätzlich zur Verfügung, und das Kostenniveau kleinerer Standorte liegt in der Regel unter dem stark nachgefragter Zentren. Welche Trainer aktuell lizenziert sind und Plätze anbieten, gibt der Dresdener Rennverein 1890 e.V. bekannt; Auskünfte erteilt der Verein selbst.
Warum ist die Nähe von Bahn und Trainingszentrale ein Vorteil?
Pferde, die vor Ort stehen, gehen ohne Transport an den Start. Ein Transport bedeutet Stress, Flüssigkeitsverlust und im Zweifel eine schlechtere Leistung. Dass in Seidnitz gelaufene Bestzeiten häufig von Trainern aus Dresden verantwortet wurden, folgt aus dieser räumlichen Nähe.