Dresdener Rennverein 1890 Galopprennbahn Dresden-Seidnitz
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Der Verein

Dresdener Rennverein 1890 e.V.: Geschichte und Mitglied werden

Vom Dresdner Reiterheim des Jahres 1890 zum heutigen Rennverein: die Geschichte des Vereins, seine Vorsitzenden und die Stationen der Bahn in Seidnitz.

Der Dresdener Rennverein 1890 e.V. ist der Träger des Galopprennsports in Dresden-Seidnitz. Gegründet wurde die Körperschaft am 17. Dezember 1890 unter dem Namen Dresdner Reiterheim, im Jahr zuvor hatte der Bau der Rennbahn „auf den Seidnitzer Fluren“ vor den Toren der Residenzstadt begonnen. Den Vorsitz führte ihr Initiator Walter von Treskow. Drei Jahre später, 1893, wurde die Körperschaft in Dresdener Rennverein 1890 e.V. umbenannt — Treskow wurde damit zum ersten Präsidenten des Vereins, dessen Name bis heute die Jahreszahl der Gründung trägt.

Leere hölzerne Tribüne einer ländlichen Grasrennbahn, verwittertes Holz und Eisengeländer
Die alte Tribüne — Zeugin der Vereinsgeschichte seit 1890.

Wer sich mit dem Pferderennverein Dresden, Geschichte wie Gegenwart, befasst, stößt schnell auf eine Besonderheit: die Geschichte dieses Vereins ist keine gerade Linie. Sie führt durch zwei Weltkriege, durch die Zerstörung Dresdens im Februar 1945, durch vier Jahrzehnte staatlich verwalteten Rennbetriebs und durch eine Neugründung im April 1990. Dass in Seidnitz überhaupt noch Galopprennen stattfinden, ist das Ergebnis dieser mehrfachen Wiederaufnahme.

Pferderennverein Dresden: Geschichte seit 1805

Die folgende Aufstellung dokumentiert den Pferderennverein Dresden: Geschichte, Bahn und Rennbetrieb in fünf Epochen. Sie gibt den Bestand des Vereinsarchivs wieder. Sie beginnt fünfundachtzig Jahre vor der Vereinsgründung, weil der Dresdner Rennsport älter ist als die Bahn in Seidnitz.

Vom Ostragehege zur eigenen Bahn

  • 1805Erstes Wettrennen mit englischen Pferden im Dresdner Großen Ostragehege — ein Match zwischen dem englischen Gesandten Lord Wynn und Prinz Biron von Curland.
  • 1851Bis 1856 Rennen auf Artillerie-Exerzierplätzen der sächsischen Armee, zunächst Hürden-, später auch Handicap-Flachrennen.
  • 1852Gründung eines Sächsischen Renn-Clubs für Offiziere und Herrenreiter; dem Komitee gehören unter anderem die Grafen Curt und Alexander von Einsiedel sowie Landstallmeister von Mangoldt an.
  • 1876Offiziere des sächsischen Gardereiter-Regiments gründen einen Dresdener Reit-Verein und veranstalten Rennen im Ostragehege und auf dem Hellergelände.
  • 1890Bau der Rennbahn auf den Seidnitzer Fluren; am 17. Dezember Gründung der Körperschaft Dresdner Reiterheim unter Vorsitz ihres Initiators Walter von Treskow.
  • 1891Am 7. Mai Eröffnung der Rennbahn Seidnitz mit sechs Rennen, darunter das Große Dresdner Handicap und die Saxonia Steeple Chase. Das Eröffnungs-Flachrennen gewinnt die Halbblutstute Sycorax im Besitz Hugo Hoeschs. Das Reiterheim zählt 50 eingetragene Mitglieder.
  • 1892Einführung des Totalisatorwettbetriebes in Seidnitz. In der Trainir-Anstalt betreuen die Trainer Kiss und Struve 30 Pferde für zwölf Besitzer. Am 12. Juni finden die ersten Trabrennen statt.
  • 1893Umbenennung in Dresdener Rennverein 1890 e.V.; erster Präsident wird Walter von Treskow. Eröffnung der neuerbauten Trainieranstalt mit 18 Boxen samt Wohnungen für Trainer und Personal.
  • 1895Vom 19. bis 24. Mai Dresdner Sportwoche unter dem Ehrenvorsitz des Prinzen Friedrich August, des späteren letzten Königs von Sachsen. Bau einer Filial-Rennbahn in Chemnitz, die nach wenigen Renntagen wieder aufgegeben wird.

Die Aufstellung endet mit dem Jahr 2005, weil das ausgewertete Vereinsarchiv dort endet. Der Rennbetrieb in Dresden-Seidnitz besteht darüber hinaus fort; aktuelle Termine und Ergebnisse gibt der Verein selbst bekannt.

Stahlstützen und Dachbinder einer alten Rennbahntribüne, leere Holzbänke
Tragwerk und Bankreihen einer historischen Tribünenanlage.

Die Präsidenten des Dresdener Rennvereins 1890 e.V.

Die Reihe der Vereinsvorsitzenden liest sich wie ein Querschnitt der sächsischen Gesellschaftsgeschichte: Militärs, Industrielle und Adelige, später Vereinsfunktionäre.

Walter von Treskow — Initiator, Vorsitzender ab 1890, erster Präsident ab 1893
1890–1897
Eugen von Kirchbach — gewählt 1898
1898–1903
Emil von Heemskerck
1903–1906
Hugo Hoesch — Kommerzienrat, Mitbegründer, Besitzer der Sycorax
1907–1916
Hermann Freiherr von Kap-herr-Lockwitz — bis zu seinem Tod im Amt
1916–1929
Oberstleutnant Gustav Adolf Struve
1929–1939
Major Heinrich Sieber — letzter Präsident des „alten“ Vereins
1940–1945

Wer im Verein Mitglied werden will, tritt damit einer Körperschaft bei, deren Zusammensetzung sich mehrfach geändert hat. Nach 1945 wurde der Rennbetrieb zunächst von einer Pferdezucht- und Renngenossenschaft, ab 1953 vom Volkseigenen Rennbetrieb Dresden und ab 1974 als Betriebsteil des VEB Vollblutrennbahnen Hoppegarten geführt. Erst mit der Neugründung am 17. April 1990 trat wieder ein Verein an die Stelle staatlicher Verwaltung.

Mitglied werden und die Ehrenmitglieder

Der Verein war von Beginn an eine Mitgliederorganisation: 50 eingetragene Mitglieder zählte das Dresdner Reiterheim im Eröffnungsjahr 1891, 214 Personen führte die Mitgliederkartei im Jahr 1909. Wer heute Mitglied werden möchte, wendet sich an den Verein: Auskunft über eine Mitgliedschaft im Dresdener Rennverein 1890 e.V. erteilt er selbst; dieses Informationsangebot nimmt keine Anmeldungen an und vertritt den Verein nicht.

Neben der Möglichkeit, als förderndes oder aktives Mitglied Mitglied zu werden, kennt der Verein die Ehrenmitgliedschaft. Zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden nach der Neugründung Georg Sowa, langjähriger und erfolgreichster Dresdner Trainer der letzten Jahrzehnte des staatlichen Rennbetriebs, sowie Franz-Günther von Gaertner, Präsident des Hamburger Renn-Clubs 1852 e.V., dessen Haus die Neuprofilierung des Dresdener Rennvereins nach 1990 begleitete.

Was den Verein mit der deutschen Turfgeschichte verbindet

Drei Namen zeigen, dass Seidnitz kein abgelegener Platz war. Otto Schmidt, mit 2.218 Siegen der erfolgreichste deutsche Jockey seiner Zeit, ritt 1917 erstmals in Dresden und holte hier 1937 seinen 1.500. Sieger. Heinz Jentzsch begann 1942 in Seidnitz als Trainer und beendete seine Laufbahn 1999 mit 4.041 Siegern und 31 Championtiteln. Gerhard Streit, später achtfacher Derbysieger, gewann 1931 in Dresden sein erstes Rennen.

Auch die Pferde belegen den Rang der Bahn: Roland (1925) und Palastpage (1932) gewannen jeweils in Seidnitz den Preis der Dreijährigen und anschließend das Deutsche Derby in Hamburg; 1995 wiederholte All My Dreams diese Folge. Der Preis der Dreijährigen, 1924 erstmals ausgeschrieben, galt über Jahrzehnte als eine der wichtigsten Derbyvorprüfungen im deutschen Turf.

Die Bahn selbst, ihr Geläuf und die Anfahrt beschreibt die Seite zur Pferderennbahn Dresden-Seidnitz. Die auf ihr gelaufenen Bestzeiten stehen unter Bahnrekorde, der Trainingsbetrieb unter Trainingszentrale.

Häufige Fragen

8 Fragen zur Seite

Wann wurde der Dresdener Rennverein 1890 e.V. gegründet?

Am 17. Dezember 1890, zunächst unter dem Namen Dresdner Reiterheim und unter dem Vorsitz seines Initiators Walter von Treskow. Die Umbenennung in Dresdener Rennverein 1890 e.V. erfolgte 1893; Treskow wurde damit erster Präsident. Die Jahreszahl im Vereinsnamen bezeichnet also das Gründungsjahr der Vorgängerkörperschaft.

Warum heißt es Dresdener Rennverein, aber Dresdner Rennbahn?

Beide Schreibweisen sind richtig, sie bezeichnen Verschiedenes. Dresdener mit e ist Teil des Eigennamens der Körperschaft, so wie er eingetragen ist. Dresdner ohne e ist die übliche deutsche Adjektivform und steht deshalb in Wendungen wie Dresdner Galopprennsport oder Dresdner Meile.

Wann wurde die Rennbahn in Seidnitz eröffnet?

Am 7. Mai 1891, mit sechs Rennen — darunter das Große Dresdner Handicap und die Saxonia Steeple Chase. Das Eröffnungs-Flachrennen gewann die Halbblutstute Sycorax im Besitz Hugo Hoeschs, der von 1907 bis 1916 selbst Präsident des Vereins war.

Seit wann gibt es in Dresden Totalisatorwetten?

Seit 1892, im Jahr nach der Eröffnung der Bahn. 1909 kaufte der Rennsekretär neue Wettmaschinen an, 1958 kam die Wette Großer Einlauf hinzu, 1998 wurde ein elektronisches Totosystem eingeführt.

Was geschah mit dem Verein zwischen 1945 und 1990?

Der alte Verein endete 1945 mit seinem letzten Präsidenten Heinrich Sieber. Den Rennbetrieb führte danach zunächst eine Pferdezucht- und Renngenossenschaft, ab 1953 der Volkseigene Rennbetrieb Dresden und ab 1974 ein Betriebsteil des VEB Vollblutrennbahnen Hoppegarten. Am 17. April 1990 wurde der Dresdener Rennverein 1890 e.V. neu gegründet und übernahm den Rennsport 1991 in eigene Regie.

Welche bekannten Reiter und Trainer sind mit Dresden verbunden?

Otto Schmidt, mit 2.218 Siegen der erfolgreichste deutsche Jockey seiner Zeit, ritt 1917 erstmals in Dresden und holte hier 1937 seinen 1.500. Sieger. Heinz Jentzsch begann 1942 in Seidnitz als Trainer und beendete seine Laufbahn 1999 mit 4.041 Siegern und 31 Championtiteln. Gerhard Streit, später achtfacher Derbysieger, gewann 1931 in Dresden sein erstes Rennen.

Warum endet die Chronik im Jahr 2005?

Weil das ausgewertete Vereinsarchiv dort endet. Das ist eine Grenze der Quelle, nicht des Rennbetriebs: in Dresden-Seidnitz wird weiterhin gelaufen. Aktuelle Termine, Ergebnisse und Rekorde gibt der Verein selbst bekannt.

Wie wird man Mitglied im Verein?

Auskunft dazu erteilt ausschließlich der Dresdener Rennverein 1890 e.V. selbst. Dieses Informationsangebot dokumentiert die Rennbahn und ihre Geschichte, nimmt keine Anmeldungen an und vertritt den Verein nicht.